Netflix & Co. wollen Passwort-Sharing unterbinden

„Sharing is caring“ – dieses Motto gilt für rund ein Fünftel aller jungen Nutzer von Streaming-Diensten wie Netflix. Um Kosten zu sparen, werden Passwörter ausgetauscht und von mehreren Endgeräten über denselben Account Filme und Serien gestreamt. Wie einige Streaming-Dienste, darunter auch Netflix, nun jedoch bekanntgaben, soll die Weitergabe von Zugangsdaten für ihre Inhalte zukünftig erschwert werden.

Netflix bietet seinen Nutzern drei verschiedene Pakete an. Mit dem Basis-Abo kann über ein Endgerät gestreamt werden, beim Standard-Abo sind es bereits zwei und das Premium-Abo berechtigt schließlich vier Personen, die allerdings in einem gemeinsamen Haushalt leben müssen, zum gleichzeitigen Filmkonsum. Diese vom Streaming-Anbieter in seinen AGB festgeschriebene Regel lässt sich in der Praxis bisher leicht Numgehen, indem schlichtweg dieselbe Wohnadresse angegeben und das zum Zugang berechtigende Passwort an beliebig viele Freunde und Bekannte weitergegeben wird. Da selten alle Nutzer desselben Accounts zur gleichen Zeit das Film- und Serienangebot in Anspruch nehmen, stellt das Account-Sharing eine weitverbreitete Praxis dar. Etwa 14% aller Netflix- und 6% aller Amazon-User erweitern auf diese Weise den Kreis der Zugangsberechtigten und bescheren den Streaming-Portalen damit erhebliche Umsatzeinbußen. Bei Netflix entsteht so, hochgerechnet auf die Zahl der angemeldeten User und den regulären Monatspreis, ein Jahresschaden von 2,3 Milliarden US-Dollar. 

Bislang wurde diese Tatsache von den Anbietern toleriert, obwohl in den AGB das Teilen von Zugangsdaten ausdrücklich untersagt ist. Anfang des Jahres überraschte Netflix dann jedoch mit einem Bericht, nachdem an einer Technik gearbeitet werde, die die unrechtmäßige Nutzung fremder Konten ermitteln soll. Wie viele andere große Entertainment-Unternehmen auch ist Netflix Teil der ACE, der Alliance for Creativity and Entertainment, die das Passwort-Sharing als „neue Form der Filmpiraterie“ bezeichnet. Eine Arbeitsgruppe der ACE arbeite derzeit an technischen Möglichkeiten, den nicht-autorisierten Zugang zu Inhalten zu unterbinden, ohne hierbei die Kunden unzumutbar zu belasten.

Der Zeitpunkt der Bestrebungen von Netflix, Amazon und Warner, die als Teil der ACE gemeinsam an Lösungen arbeiten, ist keineswegs zufällig, drängen doch schon bald gefährliche Konkurrenten wie Disney+ und AppleTVPlus auf den Markt der Streamingdienste. Jeder Kunde bzw. Neukunde wird somit noch wertvoller für die Unternehmen, und jeder Nutzer der eigenen Inhalte, der nicht dafür bezahlt, ist ein verlorener Kunde. Fraglich ist allerdings, welche Maßnahmen konkret ergriffen werden sollen, um zu garantieren, dass nur noch die jeweils berechtigten Personen Zugang zu den Streaming-Accounts erhalten. Eine einfache Ermittlung der Passwortverwendung über den Aufenthaltsort des Endgerätes erscheint wenig praktikabel, da es gerade in der Natur des Streamings liegt, Inhalte nicht ortsgebunden anzubieten. Ebenso wenig erfolgsversprechend scheint ein Kontrollverfahren, mit dem Wohn- oder Verwandtschaftsverhältnisse ermittelt werden können, da ein solches neben dem immensen bürokratischen Aufwand früher oder später eine Kollision mit datenschutzrechtlichen Regelungen mit sich bringen wird.

Anfang des Jahres stellte das Software-Unternehmen Synamedia jedoch ein wirksames Mittel gegen Account-Sharing vor. Das Programm erfasst anhand der Geodaten, wenn sich Nutzer an verschiedenen Standorten mit denselben Zugangsdaten anmelden. Angeblich lässt sich sogar erkennen, ob der Zugang über eine Geschäftsadresse, eine Privatwohnung oder ein Hotel erfolgt. Der Musik-Streamingdienst Spotify geht bereits seit einiger Zeit schärfer gegen das Account-Sharing vor und verlangt beim Abschluss eines Premium Family-Abos, dass alle Nutzer denselben Hauptwohnsitz angeben müssen. Der Nachweis hierfür erschöpft sich jedoch in einer manuellen Eingabe und kann lediglich durch die automatische Adresssuche von Google Maps „erleichtert“ werden – eine falsche Eingabe zieht mithin keine Konsequenzen nach sich.

Es sind Zweifel angebracht, ob und mit welcher Konsequenz die betroffenen Streaming-Portale eine taugliche Standortermittlung durchsetzen. Kunden würden so aufgrund einer jahrelang tolerierten Praxis kriminalisiert. Zudem kann es im Konkurrenzkampf um die meisten Nutzer in Sachen Kundenservice einen erheblichen Pluspunkt darstellen, wenn Unternehmen wie Netflix das Account Sharing weiterhin zuließen. Entscheidend wird letztendlich sein, wie die Nutzer bei einer entsprechenden Umsetzung von technischen Maßnahmen reagieren und ob die gesamte Streaming-Branche geschlossen gegen die Weitergabe von Zugangsdaten vorgehen wird. Auch 

Business Insider 

https://hypebeast.com/2019/10/netflix-password-sharing-crack-down-cross-account-streaming



Immerhin: Eine Umfrage des Online-Magazins „cordcutting.com“ unter etwa 1000 Nutzern zeigte, dass 60 Prozent der Befragten, die bislang unberechtigt fremde Zugangsdaten genutzt hatten, für einen eigenen Netflix-Account zahlen würden – wenn der bisher genutzte Zugang nicht mehr zur Verfügung stünde