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Influencer und Saudi-Arabien

Saudi-Arabien auf Instagram: Influencer sollen das Image des Landes verbessern

Das Königreich Saudi-Arabien versucht sein international stark beschädigtes Image mithilfe von Influencern aufzuwerten und durch die Förderung des Tourismus unabhängiger von seiner derzeitigen Haupteinnahmequelle Öl zu werden.

Nicht nur der Mord am Journalisten Jamal Khashoggi im Oktober 2018 hat dem Ansehen Saudi-Arabiens stark geschadet. Nach der Ankündigung, die Frauenrechte im Land reformieren zu wollen, indem ihnen etwa das Autofahren erlaubt werden solle, veröffentlichte die Staatssicherheitsbehörde einen Video-Clip auf ihrem Twitter-Account, in dem Feminismus, Homosexualität und Atheismus als gefährliche Ansichten kategorisiert wurden, vor denen man sich in Acht nehmen müsse. Aufgrund heftiger Kritik in den sozialen Medien hat die Behörde das Video mittlerweile wieder entfernt.

Dieser Fall verdeutlicht, dass längst nicht nur kommerziell ausgerichtete Unternehmen auf den Meinungseinfluss der Blogger- und Influencer-Szene zurückgreifen, sondern auch Staaten, die sowohl politische als auch wirtschaftliche Ziele verfolgen. Seit September 2019 sind Touristenvisa durch vereinfachte Verfahren erhältlich. Kronprinz Mohammad Bin Salman ist sichtlich darum bemüht, sein Land mithilfe internationaler Reise-Influencer weltoffener darzustellen und den erlittenen Imageschaden auszugleichen. Viel Geld wird ausgegeben, um die besonders fotogenen und kosmopolitischen Seiten Saudi-Arabiens ablichten und von reichweitenstarken Social Media-Ikonen verbreiten zu lassen.

Organisiert und finanziert werden die Influencer-Trips vom Reiseunternehmen „Gateway KSA“, das wiederum von staatlich kontrollierten saudischen Firmen wie Saudi Arabian Airlines, Saudi Telecom und Saudi Basic Industries gesponsert wird. Vor fünf Jahren, als die Religionspolizei noch Frauen zur Einhaltung der strengen Kleiderordnung zwang, wären solche Besuche westlicher Medienvertreter samt ihrer, keinen islamischen Regeln unterworfenen, Fotomotive undenkbar gewesen. Was für Einheimische noch immer verboten ist, darf und soll zur Imageverbesserung des Königreichs möglichst viele Social-Media-Follower von seiner vermeintlichen Weltoffenheit und Toleranz überzeugen: Die Erlaubnis für Fotos mit nacktem Oberkörper oder die Einreise als offen homosexuell auftretendes Paar sind Privilegien, welche bislang ausschließlich Influencern gewährt werden.

Die Reiseagentur „Gateway KSA“ wurde nach einem Vorschlag der australischen Influencerin Nelleke van Zandvoort Quispel in Absprache mit dem saudischen Königshaus gegründet. Angeblich unterhält das Unternehmen keine unmittelbaren Beziehungen zur Regierung des Landes, doch sämtliche der oben genannten Sponsoren werden vom Staat kontrolliert.

Von der Social Media-Community wurde die Tätigkeit einzelner Influencer in Saudi-Arabien stark kritisiert, insbesondere das bewusste Ausblenden der im Land stattfindenden Menschenrechtsverletzungen zu kommerziellen Zwecken. Einige Influencer lehnten das Angebot eines gesponserten Trips jedoch auch ab.

(Autor: Lennart Weis)

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